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Störche in Rheinhausen

Niederhausen
Oberhausen

Wolfgang Hoffmann von der NABU Ettenheim berichtet in einem Beitrag für das vom Ortenaukreis herausgegebene Jahrbuch Geroldsecker Land 48 (2006), S. 57-66 über die erfolgreiche Wiederansiedlung des Weißstorchs seit Beginn der 90er Jahre in unserer Region. Wir danken Autor und Herausgeber für die erteilte Abdruckgenehmigung. Bildquellen, soweit nicht anders verzeichnet, ebenfalls Wolfgang Hoffmann.

Wolfgang Hoffmann: Über die Bestandsstützung und Wiederansiedlung des Weißstorchs in der südlichen Ortenau und im nördlichen Breisgau

14 Jahre Storchenmanagement in der Region. Betreuung der Storchenhorste von 1992 bis 2005 in Ettenheim, Ringsheim, Herbolzheim, Rust, Orschweier, Niederhausen und Oberhausen

Feuerwehrgerätehaus Niederhausen - EnBW-Regionalzentrum Rheinhausen

weitere Fotoimpressionen

Das Projekt:

Im Jahr 1984 hat der damalige DBV (Deutscher Bund für Vogelschutz), heute NABU (Naturschutzbund Deutschland), den Weißstorch zum „Vogel des Jahres“ erklärt, um auf die beängstigenden Bestandseinbrüche dieses typischen Kulturfolgers aufmerksam zu machen. Im gleichen Jahr starteten DBV und das Land Baden-Württemberg ein gemeinschaftliches Projekt mit dem Titel „Bestandsstützung und Wiederansiedlung des Weißstorchs in Baden-Württemberg“.

Das Projekt war auf 10 Jahre begrenzt. 1994 wurde der Weißstorch wieder zum „Vogel des Jahres“ gewählt und es wurde ein Resümee über die vergangenen 10 Jahre gezogen: Die Population konnte durch Freilassung von Projektstörchen aus Baden-Württemberg und dem nahen Elsass sowie durch Bestandstützungsmaßnahmen erheblich gesteigert werden. Allerdings wurde das zweite Projektziel nach Auffassung des NABU nur unzureichend erreicht, nämlich den Nahrungslebensraum zu verbessern und auszuweiten.

Der NABU Baden-Württemberg als Verband erklärte das Projekt deshalb für gescheitert und war nicht bereit, es in bisheriger Form weiter zu führen. Einzelpersonen und Einzelgruppen, auch innerhalb des NABU, wollen das Projektziel jedoch weiter verfolgen. Der Verfasser dieses Aufsatzes zählt sich hierzu.

Beschaffenheit des Nahrungslebensraums in der Region um Ettenheim:

Der potenzielle Nahrungslebensraum um Ettenheim, wo die Wiederbesiedelung begann,  sind in erster Linie die Wiesen im Westen der Stadt, die sogenannten Rittmatten. Die Rittmatten selbst haben eine Ausdehnung von etwas mehr als einem Quadratkilometer, weitere kleinere Wiesen außerhalb kommen dazu. Der überwiegende Teil wird ackerbaulich genutzt. Immer mehr Wiesen werden umgebrochen.

Im Osten der Stadt, wo die Vorbergzone des Schwarzwaldes beginnt, sind nur wenige Wiesen vorhanden. Der optimale Nahrungslebensraum für die meisten Horstpaare der Region liegt im Südwesten; es sind die Elzwiesen, ein zusammenhängendes, zum Glück gerettetes Wiesengebiet von über 700 Hektar Größe. Über 400 Hektar davon sind Naturschutzgebiet.  Für die Ettenheimer Störche sind sie aber nicht in Sichtweite des Horstes, was wichtig ist, und sie sind mit sechs Kilometern Entfernung sehr weit entfernt.

Storchenlebensräume sind im Allgemeinen an Weidelandschaft gebunden. Dass Störche sich bei uns angesiedelt haben, wo in den Niederungen keine Weidewirtschaft betrieben wird, ist eine Besonderheit. Vielleicht ist es auch eine Form der Anpassungsfähigkeit. Möglicherweise wurde bisher die Anpassungsfähigkeit der Störche unterschätzt. In der Publikation des NABU-Landesverbandes „Schwarze Zukunft für den weißen Storch?“ 1993 von MARTIN KLATT werden 200 Hektar Nahrungslebensraum pro Horstpaar gefordert. Damit kann die Region um Ettenheim bei Weitem nicht dienen. Trotzdem haben sich bislang acht Horstpaare freiwillig angesiedelt und ernähren sich ohne Zufütterung.

Beginn der Tätigkeit in der Region Ettenheim:

Das Projekt Wiederansiedelung befand sich von Beginn (1984) bis 1992, zwei Jahre vor seinem Ende, in einer steilen Aufwärtsentwicklung, in der sich die Anzahl der Brutstörche fast verfünffacht hatte. In der Region um Ettenheim war davon nichts zu merken, bis sich am Morgen des 2. April 1992 zwei Störche auf der heruntergekommenen Horstunterlage des Ettenheimer Rathauses niederließen. Am nächsten Morgen schon montierte Klaus Bruder vom DBV-Ettenheim mit Hilfe des Bauhofs und der Ettenheimer Feuerwehr ein Reisignest, das sogleich von dem Storchenpaar bezogen wurde. Das Männchen war ein Zugstorch mit Ring, das Weibchen war unberingt. Nach 27 Jahren Unterbrechung brütete wieder ein Storchenpaar erfolgreich. Vier Jungstörche flogen aus. Damit begann die Wiederansiedlung in der Region um Ettenheim.

Motivation:

1994, nach offizieller Beendigung des Projekts „Wiederansiedelung des Weißstorchs in Baden-Württemberg“ wurde die Frage nach dem Sinn und der Verantwortungsfähigkeit auch innerhalb der Fachschaft für Ornithologie südlicher Oberrhein (eine Gruppierung des NABU) diskutiert. Die Fachschaft bat die ehrenamtlichen Storchenbetreuer im Land um eine Stellungnahme zu ihrer Betreuertätigkeit im Zusammenhang mit der Beendigung des Projekts. Der Autor dieses Aufsatzes schrieb damals unter anderem an die Fachschaft:

„Die Wiederansiedlung geschah, obwohl die Umgebung eigentlich nicht storchengerecht ist, und ohne dass vorher Verbesserungsmaßnahmen in der Landschaft durchgeführt worden waren. Lediglich ein Kunsthorst wurde auf der alten Unterlage des Rathauses in Ettenheim bereitgestellt, nachdem Störche dort Anstalten machten, zu bauen. Maßnahmen zur Verbesserung des Umfeldes konnten erst danach erfolgen, nachdem maßgebliche Stellen auf den Storch aufmerksam (gemacht) wurden. So war schließlich der Storch der Auslöser, dass für die Ettenheimer Rittmatten vom Land, vom Kreis und der Stadt Ettenheim ein Sonderprogramm zur Extensivierung der Landwirtschaft erstellt wurde. Auch das Stromversorgungsunternehmen Badenwerk, heute EnBW (Energieversorgung Baden-Württemberg) hat auf unsere Hinweise hin reagiert und fast alle Strommasten abgesichert. Mittlerweile wurden die Feldwege in den Rittmatten auf Ettenheimer Gemarkung für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Sorge bereiten noch Hundesportler mit ihrer Fährtenarbeit und die Modellflieger in einem besonders empfindlichen Bereich.

Entscheidend ist also, dass Verbesserungsmaßnahmen erst durchgeführt wurden, nachdem Störche von sich Reden gemacht hatten. Hierzu zählen neben Presseberichten auch die Live- Übertragungen per Videokamera aus dem Horst oder die Aufsehen erregende Rettungsaktion 1993. So konnten die Bevölkerung aber auch Gemeinderäte, Bürgermeister, Landratsamt und Regierungspräsidium davon überzeugt werden, dass Handlungsbedarf besteht.

So gesehen ist der Nutzen, der sich aus der Weiterführung  des Storchenprojekts ergibt, nicht nur im Artenschutz für den Storch zu sehen, sondern es muss auch der pädagogische Wert betrachtet werden. Andere Wiesenvögel, die keinen so starken Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung haben, profitieren ebenfalls von der Weiterführung des Projekts. Deshalb gilt der Slogan: Naturschutz mit dem Storch.“

Im Jahr 2000 erhielt die NABU-Gruppe Ettenheim mit ihrem Storchenbetreuer den Umweltschutzpreis des Ortenaukreises für die Aktivitäten zur Bestandsstützung und Wiedereinbürgerung des Weißstorchs im südwestlichen Ortenaukreis. Dies ist ein Zeichen, wie sehr die Arbeit mit dem bekannten und beliebten Vogel in der Bevölkerung Anerkennung findet. Der gleiche Aufwand an Arbeit mit dem Brachvogel oder Steinkauz findet   bei Weitem nicht so viel Beachtung.

Entwicklung der Horststandorte in den einzelnen Ortschaften:

1992 war die erste erfolgreiche Brut in Ettenheim nach 27 Jahren Unterbrechung. Vier Jungstörche flogen aus.

1993 hatte das gleiche Paar in Ettenheim mit drei Jungstörchen wieder Erfolg.

In Ringsheim errichtete der NABU zusammen mit Ringsheimer Bürgern einen Horst auf dem Schlauchturm. Die Kosten für den Kran von über 700.- DM hatte der NABU übernommen.

1994 kam ein neues Storchenpaar nach Ettenheim. Das Weibchen war 1990 in Goldscheuer geschlüpft. Partner war ein Männchen aus dem Elsass. Die Jungstörche sind verendet, da das Männchen Hühnerköpfe von einer Fütterungsstelle brachte, die für die Jungen zu groß waren.

In Orschweier wurde auf Wunsch des damaligen Ortsvorstehers ein Horst auf dem Schlauchturm errichtet. Er versprach, in der Umgebung Biotope anlegen zu lassen.

In Rust wurde eine Horstunterkonstruktion auf dem Schulhaus angebracht.

In Herbolzheim schritten ebenfalls ein badischer und ein elsässischer Storch zur Brut, die Jungen gingen aber schon bald aus unbekannten Gründen ein.

In Grafenhausen bestand auch ein Wunsch nach Störchen, aber es wurde kein geeignetes Gebäude gefunden („da sie Dreck machen“).

1995 sind in Ettenheim keine Störche geblieben. Aus der Brut von 1993 wurde ein Storch in den Niederlanden gesehen (Ablesung der Ringnummer).

In Herbolzheim brüteten die Altstörche vom Vorjahr, Ein Jungstorch flog aus.

In Rust haben seit 29 Jahren erstmals wieder Störche auf dem neuen Horst gebrütet;

das Männchen stammte aus Holzen (bei Lörrach im Markgräflerland), das Weibchen aus dem Süd-Elsass. Ein Junges ist ausgeflogen.

1996 sind in Ettenheim keine Störche geblieben.

In Rust hatte das Holzener Männchen vom Vorjahr einen neuen Partner aus Staad (Schweiz) genommen. Die Brut ging wegen anhaltender Regenfälle ein.

In Herbolzheim haben die Altstörche vom Vorjahr erfolgreich zwei Junge groß gezogen.

1997 sind in Ettenheim keine Störche geblieben.

In Rust ist ein neues Horstpaar eingezogen, ein Zugstorch aus Kintzheim (Elsass)*1993; der Partner war unberingt.

In Herbolzheim haben die Altstörche vom Vorjahr drei Junge erfolgreich ausgebrütet und zum Ausfliegen gebracht.

1998 sind in Ettenheim keine Störche geblieben.

In Rust hatte das Paar vom Vorjahr erfolgreich zwei Jungstörche groß gezogen.

In Herbolzheim brütete seit 1994 das gleiche Männchen. Am 1. Mai wurde es mit gebrochenem Flügel unter dem Horst tot aufgefunden. Die vier Eier kamen nach Linkenheim, wo drei Jungstörche geschlüpft sind.

In Niederhausen haben nach 36 Jahren erstmals wieder Störche gebrütet. Die vier Jungen sind infolge der nasskalten Witterung eingegangen.

1999 sind in Ettenheim keine Störche geblieben.

In Orschweier haben seit 28 Jahren wieder Störche erfolgreich gebrütet. Das Weibchen ist 1997 in Herbolzheim geschlüpft. Zwei Junge sind ausgeflogen. Das dritte Junge hatte sich verletzt und kam in eine Pflegestation.

In Rust hat das Paar vom Vorjahr erfolgreich drei Jungstörche bis zum Ausfliegen gebracht.

In Herbolzheim ist ein neues Paar eingezogen. Beide stammten aus dem Elsass (Hunawihr und Kintzheim). Zwei Jungstörche sind ausgeflogen.

In Niederhausen gab es dieses Jahr keine Brut.

In Tutschfelden wurde die alte Horstkonstruktion instandgesetzt und mit einem Reisignest versehen (hier gab es seit Jahrzehnten keine Brut mehr).

2000 haben wieder Störche in Ettenheim gebrütet, aber die Jungen sind eingegangen.

In Orschweier haben die Vorjahresstörche erfolgreich gebrütet. Zwei Junge sind ausgeflogen.

In Rust hat das Paar vom Vorjahr erfolgreich drei Junge ausgebrütet, die ausgeflogen sind.

In Ringsheim haben erstmals seit 37 Jahren Störche erfolgreich gebrütet. Mindestens einer von beiden stammt aus dem Elsass (der Partner ist unberingt). Ein Jungstorch ist ausgeflogen.

In Herbolzheim hat das Paar vom Vorjahr zwei Jungstörche erfolgreich ausgebrütet. Sie sind ausgeflogen.

In Niederhausen ist einer der beiden Jungstörche in eine Freileitung geraten und tödlich abgestürzt. Der Andere hatte mehr Glück.

2001 hat ein neues Paar in Ettenheim gebrütet, aber die Jungen sind früh eingegangen.

In Orschweier haben die Vorjahresstörche erfolgreich gebrütet. Drei Junge sind ausgeflogen.

In Rust hat das Paar vom Vorjahr erfolgreich zwei Junge ausgebrütet. Sie sind ausgeflogen.

In Ringsheim haben die Störche vom Vorjahr wieder gebrütet. Die Jungen sind jedoch eingegangen.

In Herbolzheim hat das Paar vom Vorjahr drei Jungstörche großgezogen. Einer davon hatte ein verletztes Beingelenk und kam in eine Station (das Bein wurde amputiert)

In Niederhausen ist der einzig übrig gebliebene Jungstorch ausgeflogen, aber er war unterentwickelt, und nur bedingt flugfähig; er kam deshalb in eine Pflegestation.

Auf dem Betriebsgelände der EnBW auf Gemarkung Oberhausen wurde auf einem frei aufgestellten Holzmast ein neuer Horst errichtet, der sofort angenommen wurde. Er wurde sogleich heftig umkämpft; dabei wurden von angreifenden Störchen zwei Eier aus dem Nest geworfen. Die Altstörche waren nicht mehr sicher zuzuordnen, da unklar war, welches Paar gesiegt hatte. Aus dem Nachgelege oder einem übrig gebliebenen Ei entwickelte sich ein Junges. Es flog aus, wurde aber bald tot aufgefunden.

2002 hat ein neues Paar in Ettenheim gebrütet; ein Jungstorch ist trotz schwieriger Ernährungslage ausgeflogen. (die letzte erfolgreiche Brut war 1993)

In Rust hat das Paar vom Vorjahr erfolgreich drei Junge großgezogen.

In Ringsheim konnte ein Junges ausfliegen (Eltern vom Vorjahr), verunglückte jedoch durch Stromschlag an einem Mittelspannungsmast.

In Herbolzheim hat das Paar vom Vorjahr zwei Jungstörche erfolgreich großgezogen.

In Orschweier haben die Störche vom Vorjahr alle fünf Jungen durch Schlechtwetter verloren.

In Niederhausen sind zwei Jungstörche ausgeflogen.

2003 war mit 16 Jungstörchen im betreuten Gebiet das erfolgreichste Jahr.

In Ettenheim wurden zwar gar keine Eier gelegt und in Niederhausen und in Rust sind keine Jungen geschlüpft, aber in Herbolzheim flogen vier Jungstörche aus und bei der EnBW in Oberhausen sogar fünf. In Ringsheim und in Orschweier waren es je drei. Ein vierter Jungvogel war bei Schlechtwetter dort aus dem Horst geholt worden und in einer Pflegestation groß geworden. Anfang August flog auch dieser Storch aus.

2004 Ettenheim: Unterstützt durch eine große Spende einer Bürgerin konnte eine Überwachungskamera besorgt und am Horst angebracht werden. So lassen sich über zwei Fernseh-Monitore im Rathaus und draußen in der Vorhalle die Vorgänge im Horst live verfolgen (so bereits in Orschweier, Rust, Herbolzheim und Niederhausen). Ein Junges von dreien ist ausgeflogen. Eine Woche später ist es an einem Mittelspannungsmast durch Stromschlag umgekommen. Da dieser Stromunfall einer von vielen im Land war, gab es Gespräche mit den Stromversorgungsunternehmen und Politikern auf unterer und höherer Ebene.

Orschweier: Drei Junge konnten ausfliegen. Ein fast flügger Jungstorch ist aus unbekannten Gründen eingegangen.

Rust, Schulhaus: Die Gemeinde hatte auf Bitten des Betreuers reagiert und eine sichere Aufstiegshilfe mit Geländer zum Horst errichtet. Allerdings sind die Störche innerhalb von Rust umgezogen, nämlich in den Europapark.

Rust, Europapark: Im „Nivea Kinderland“ haben die Störche vom Schulhaus selbstständig einen Horst auf einem mit Schilf gedeckten Rutschenturm für Kinder gebaut. Sie brüteten drei Junge aus. Zwei der schon beringten Jungstörche stürzten aus dem nicht sehr stabilen Horst. Einer war tot, der andere nur leicht verletzt. Er hat sich in einer Pflegestation erholt, wo er später ausflog.

Ringsheim: Zwei Jungstörche sind ausgeflogen. (Einer der Altstörche war 2002 in Ettenheim Brutstorch.)

Herbolzheim: Vier Jungstörche sind ausgeflogen.

Niederhausen: Zwei Jungstörche sind ausgeflogen, zwei sind in Folge schlechten Wetters eingegangen.

Oberhausen: Vier Jungstörche sind ausgeflogen.

2005 sind in Ettenheim 2 Junge ausgeflogen.

Orschweier: Das überwinternde Männchen hatte sich mit einer neuen Partnerin zusammengetan, da die zuverlässige, alte Zugstörchin (seit 1999) offenbar nicht mehr gekommen war. Fünf Jungstörche waren geschlüpft, sind aber eine Woche später bei Starkregen und Kälte eingegangen. Kurze Zeit später wurde die alte Störchin tot aufgefunden. Zuvor sollen am Horst heftige Kämpfe stattgefunden haben.

Rust, Europapark: im „Nivea Kinderland“ brüteten die Störche vom Vorjahr wieder erfolgreich. Zwei Junge sind ausgeflogen. Ein noch nicht flügger dritter Jungvogel war aus dem nicht sehr stabilen Horst gefallen und starb.

Rust, Schulhaus: Der letztes Jahr verwaiste Horst wurde von einem neuen Paar besetzt. Die Ringe gaben Auskunft über ihre Herkunft: Einer stammte aus Beizkofen (Sigmaringen), der Andere aus der Schweiz. Aus vier Eiern ist nur ein Storch geschlüpft. Dieser ist kurz nach der Beringung aus unbekannten Gründen eingegangen.

Ringsheim: Das gleiche Paar wie im Vorjahr brachte zwei Junge zum Ausfliegen.

Herbolzheim: Das seit 1999 ansässige Paar hatte fünf Eier gelegt. Aus nur einem Ei schlüpfte mit einer Woche Verspätung ein Junges, das jedoch nur einen Tag lebte.

Niederhausen: Zwei Junge sind schon früh eingegangen.

Oberhausen: Auch hier sind die Jungen schon früh eingegangen.

Sinn und Umfang der Bestandsstützungsmaßnahmen:

Vorrangig sind sämtliche Versuche, den Nahrungslebensraum zu verbessern. Darüber hinaus sind kurzfristige Maßnahmen notwendig, um eine möglichst hohe Population von Zugstörchen zu gewinnen, von denen wegen vielfältiger Gefahren auf dem Zug höchstens 10% zurückkehren.

In allen Gemeinden wurden Konstruktionen angeboten, auf denen ein Reisignest errichtet werden kann. Seit der Storch zum Kulturfolger geworden ist, hat der Mensch in unseren Breiten versucht, ihm solche Konstruktionen anzubieten. Natürliche Besiedelung bzw. Neubesiedelung findet beim Weißstorch nur ausnahmsweise statt; eher breitet er sich aus einem schon besiedelten Gebiet heraus aus. Deshalb wurden auf den Konstruktionen zusätzlich Reisignester angeboten, welche den Reiz erhöhen, einen Horst zu belegen.

Eine weitere Bestandsstützungsmaßnahme besteht darin, die Horste möglichst regelmäßig auszumisten. Begünstigt durch ein erhöhtes Angebot von Grasschnitt von Rasenmähern, tragen die Störche diesen oft als Auspolsterungsmaterial in ihren Horst ein. Dieses Material kompostiert besonders schnell und führt dazu, dass der Horstboden stark abgedichtet wird, so dass bei Starkregen das Wasser nicht schnell genug abfließen kann und die durch Kälte oft zusätzlich geschwächten Jungen im anstehenden Wasser zu Grunde gehen.

In Situationen, bei denen, z. B. durch Horstkamera unterstützt, der Betreuer abschätzen kann, dass mindestens ein Teil der Jungen die Wetterperiode nicht überleben wird, hat der Betreuer schon einmal ein Junges aus dem Horst geholt, um sowohl den im Horst verbliebenen, sowie dem geborgenen Jungvogel die Chance des Überlebens zu erhöhen. 1998 war ein Elternstorch in Herbolzheim tödlich verunglückt, nachdem schon Eier gelegt worden waren. Die vier Eier wurden geborgen und in eine Aufzuchtstation gebracht, wo sie anderen Störchen untergelegt wurden. Drei Jungstörche sind daraus geschlüpft und wurden freigelassen.

Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass in keinem der Horststandorte vom Betreuer zugefüttert wird. In Orschweier wird offenbar auf einem eingezäunten Privatgrundstück von privat gelegentlich Futter angeboten. Dies wird vom Betreuer abgelehnt.

Nahrungslebensräume der einzelnen Horstpaare:

Die Ettenheimer Störche waren anfangs die einzigen in der Region und waren in ihrer Wahl nach Standorten zur Nahrungssuche nur durch die Entfernung und natürliche Hindernisse eingeschränkt. Das im Westen nahe gelegene Gebiet der Rittmatten wurde erwartungsgemäß bevorzugt besucht, denn von hier haben sie Sichtkontakt zum Horst, was  ihnen wichtig ist, um eventuelle Rivalen abfangen können. Die nahe gelegene Mülldeponie auf dem Kahlenberg wurde ebenfalls als Nahrungsquelle genutzt. Gelegentlich flogen sie in die etwa sechs Kilometer entfernten Elzwiesen, von dort ist ihnen jedoch kein Sichtkontakt möglich, da Vorberghügel dazwischen liegen.

Nachdem ihnen Konkurrenz in Herbolzheim, Ringsheim und Orschweier entstanden war, schien es so, dass sich die Ettenheimer Altstörche immer mehr nach Osten in die weniger ertragreiche Vorbergzone orientierten. Sie überflogen die Bundesstraße 3 in die Rittmatten immer weniger und wurden vorzugsweise nahe der Stadt im Osten gesehen. Vor Jahren wurde ein Storch im Gelände der Fischteiche von Graureihern bedrängt und in das Wasser getrieben. Der Teichwirt hat den Storch aus dem Wasser gerettet. Die Brutpflege schien auch zunehmend schlechter zu laufen.

Beim Wunsch, Störche in Orschweier anzusiedeln, hatte der Betreuer große Bedenken, da die Landschaft in diesem Bereich schlechte Nahrungslebensräume anzubieten hat. Der Ortsvorsteher drängte jedoch sehr und versprach, die Situation durch vielfältige Kleinmaßnahmen zu verbessern. Nach fünf Jahren wurde der Horst schließlich 1999 angenommen. Seitdem brütete das gleiche Paar bis 2004 sehr erfolgreich. Von den versprochenen Maßnahmen wurde zwar bis jetzt nur ein kleiner Teil umgesetzt, trotzdem haben sich die Orschweirer Störche erstaunlich gut gehalten. Von einer Privatperson wird trotz Verbots seitens des Betreuers gelegentlich unkontrollierbar zugefüttert. Eventuell dadurch entstandene Nachteile (zu hohes Abfluggewicht, mangelnde Fitness, dadurch erhöhte Zahl von Unglücksfällen), konnten jedoch nicht beobachtet werden, allerdings lässt sich auf Grund der Zufütterung auch nicht beurteilen, inwieweit das Storchenpaar mit der Situation des relativ schlechten Nahrungslebensraums um Orschweier zurechtkommt. Die Störchin war 1997 in Herbolzheim geschlüpft. Schon im zweiten Lebensjahr hat sie erstmals in Orschweier gebrütet. Auf ihrem Zug nach Afrika wurde sie mehrfach bei Gibraltar gesehen und über ihre Beringung identifiziert. Sie war schon im ersten Lebensjahr in Afrika. Trotz der hohen Ausfallquote von mehr als 90%  hat sie bis zu ihrem Tod im Mai 2005 in Orschweier mindestens sieben Mal die Risiken des Zuges überwunden.

Obwohl die Orschweirer Störche von den Elzwiesen am weitesten entfernt sind, fliegt mindestens ein Partner fast regelmäßig dorthin. Über Orschweier versucht der Storch bei sonniger Wetterlage im Allgemeinen mit etwas Thermik vom Ort so viel an Höhe zu gewinnen, um im Gleitflug bis nach Ettenheim zu kommen. Hier wird die Thermik der Stadt in Verbindung mit dem Hangaufwind (bei Westwind) an den ersten Hügeln der Vorbergzone genutzt, um nach Höhengewinn im Gleitflug die Elzwiesen zu erreichen. Bei dieser Gelegenheit werden die Orschweirer Störche von den Ettenheimer Bürgern oft mit den Ettenheimer Störchen verwechselt.

Von den Ringsheimer Störchen hat oft ein Partner jeweils die dortige Mülldeponie genutzt, um an Nahrung zu kommen. Flüge in die Elzwiesen wurden aber auch immer wieder beobachtet und durch Ablesen der Ringe bestätigt.

Die Ruster Störche sind sehr oft in den Wiesen unmittelbar in Horstnähe bei der Nahrungssuche beobachtet worden. Bei der Nähe zu den Elzwiesen kann davon ausgegangen werden, dass sie auch dort auf Nahrungssuche gehen.

Für die Herbolzheimer Störche sind die Elzwiesen der traditionelle Nahrungslebensraum.

Das Horstpaar des Standorts innerhalb des Betriebsgeländes der  EnBW auf Gemarkung Oberhausen befindet sich mitten in den Elzwiesen.

Die Niederhausener Störche fliegen zur Nahrungssuche sowohl in die Elzwiesen, als auch in die nahe gelegenen Streuobstwiesen.

Der Storch als Leitvogel für den Wiesenschutz:

In der Schilderung über die Jagdgebiete der einzelnen Horstpaare wird deutlich, dass alle  Horststandorte von den Elzwiesen bei Herbolzheim profitieren und mehr oder weniger davon abhängig sind. Durch die Wiesenwässerungen werden zahlreiche Vogelarten angezogen. Eine große Anzahl von Weißstörchen kommt zur Nahrungssuche bei der Sommerwässerung zusammen. So können in dieser Zeit 30 bis 60 Störche auf einmal beobachtet werden und wenn die Jungstörche ausgeflogen sind und sich sammeln, können bis zu 75 Störche (August 2004) auf einmal beobachtet werden.

Durch die hohe Anzahl Nahrung suchender Störche sind die Elzwiesen in den Rang eines Schutzgebiets von nationaler Bedeutung gekommen. Deshalb gebührt dem Storch die Rolle als Leitvogelart. In diesem Zusammenhang sollte von „Storchenwiesen“ gesprochen werden. Mit diesem Begriff könnte in der Öffentlichkeit für Wiesenschutz geworben werden. Es soll hier auch auf das Logo des NABU hingewiesen werden, das bekanntlich einen fliegenden Storch darstellt.

Situation heute und Ausblick:

Etwa die Hälfte der Brutpaare in der Region sind über die Jahre hinweg Zuchtstörche aus dem Elsass gewesen. Die meisten Verpaarungen sind gemischt aus elsässischen und einheimischen Störchen. Bisher sind erst wenige Störche, die in der unmittelbaren Region geschlüpft waren, Brutstörche geworden, aber es werden immer mehr. Die Kurve in der Grafik der Populationsentwicklung geht steil nach oben. Trotzdem reicht aber die Anzahl der hier ausgeflogenen und zurückgekommenen Jungstörche bei Weitem noch nicht aus, um den Bestand zu halten. Dies kann sich nur ändern, wenn die Gefahren auf dem Zug, vor allem durch ungesicherte Stromleitungen in Frankreich und Spanien gemindert werden und wenn die großen Storchenwiesen als Nahrungslebensräume erhalten werden. So lange werden auch Bestandstützungsmaßnahmen notwendig sein.

Dank

Der NABU Ettenheim e. V. dankt den Gemeinden, die dem Storchenbetreuer geholfen haben, die alten Horstunterlagen wieder herzustellen und Zugangsmöglichkeiten zu schaffen, sowie den örtlichen Feuerwehren, deren Angehörige ebenfalls viel Freizeit geopfert haben, um Hilfestellung zu leisten. Dank gilt auch allen Privatpersonen, Hausmeistern und den Männern vom Bauhof, die ihren Beitrag zu den Bestandsstützungsmaßnahmen geleistet haben. Ein Experte erster Klasse, Koordinator, Berater und freundschaftlicher Partner des staatlichen Naturschutzes war und ist Herr Walther Feld von der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege in Karlsruhe. Ich bin ihm zu ganz besonderem Dank verpflichtet. Nicht zuletzt dankt der NABU dem Ortenaukreis, der seine Arbeit mit dem Umweltschutzpreis 2000 anerkannt hat. Storchenschutz kann nur eine Gemeinschaftsaufgabe von Einzelpersonen in Zusammenarbeit von Land, Gemeinden und Naturschutzverbänden sein.